Das Eisprung Syndikat


Geschichte | Liedgut


Ein Stück Geschichte


Lieder nach der Sperrstund'

Das Genre erotische Lieder und Lieder nach der Sperrstund' sind ein Stück Kultur- und Literaturgeschichte Österreichs. Bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts blieben diese unter Verschluss. Erst nach Öffnung der „Secretierten erotischen Sammlung“ der Wiener Stadtbibliothek wurden unter anderem auch die Spittelberger Lieder der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht.

Spittelberg

Einst das verrufenste Viertel der Stadt: Der Spittelberg, in vergangenen Zeiten das Rotlichtmilieu Wiens, in dem 6000 Menschen in 138 Häusern wohnten, wobei 54 eine Schankberechtigung hatten. Im Parterre die Wirtsstube, eine Küche, ein Zimmer, im ersten Stock Räume für Musiker und „alleinstehende“ Damen. Aus den Lokalen hörte man die Melodien in bildhafter und zuweilen direkter Sprache – in der Sprache des Volkes - diese Spittelberger Lieder sind die bekanntesten unter den erotischen Volksliedern Österreichs. Aber nicht nur in der Großstadt wurde über Liebe, Lust und Lotterleben gesungen, auch auf dem Land entwickelten sich Texte dieser Art, manchmal etwas derber, aber immer noch als Ausdruck des Menschen, der gerne darüber spricht und singt.

Liedgut

So gibt das Lied vom „Saubärgrunzer“ auf humorige Art und Weise Einblick auf die Gewohnheiten auf der Alm, wo man ja bekannterweise ohne Sünd´ auf die eine oder andere fesche Sennerin treffen kann. Genau so wie das „Dangl-Lied“ mit seinen Versen die schönste Nebensache der Welt beschreibt.

Aus der Studentenzeit in Graz stammt aus gegenseitiger künstlerischer Befruchtung von Kärntnern und Steirern das „Fliegenlied“, das in obersteirischen Wirtsstuben sich mittlerweile zu einem Gassenhauer entwickelt hat. Nicht fehlen darf in diesem Programm der erotischen Lieder die „Ballade vom Tschurifetzen“ aus Georg Danzer´s „schmutzigen Liedern“.

Dass der Klerus den sinnlichen Genüssen nicht unbedingt abgeneigt war und ist, besingen wir mit den „Pfarrer-Gstanzln“ aus dem bayrischen Raum und dem Lied vom „Pater Gabriel“.

Das Programm soll einen Querschnitt dieses pikanten Bereichs der Volksmusik durch die Jahrhunderte in Stadt und Land bringen. Die Lieder werden immer noch bzw. wieder gesungen – nach der Sperrstund´!

„Geblieben sind von den erotischen Aufregungen unserer Vorfahren Lieder, diein Deutlichkeit und Poesie einzigartig im deutschsprachigen Kulturraum sind.“ (B.Kettner)